20. Februar 2018

Gehaltsgeheimnis bröckelt

Seit Januar 2018 müssen deutsche Arbeitgeber ihren Mitarbeitern Auskunft über die Gehälter ihrer Kollegen geben. Volle Transparenz gewährt das Entgelttransparenzgesetz aber nicht.

Was verdient der Faulpelz im Büro nebenan? Bekommt er mehr Geld, weil er ein Mann ist? Die Kluft zwischen den Gehältern von Männern und Frauen liegt in Deutschland je nach statistischer Methodik zwischen 6 und 21 Prozent. Was Männer gern als Neiddebatte abtun, hat nun den Gesetzgeber auf den Plan gerufen. Das „Entgelttransparenzgesetz“ soll helfen, den Gender-Gap einzuebnen.

Gesetz mit Einschränkungen

Ab sofort können Beschäftigte Auskunft über die Gehälter ihrer Kollegen verlangen. Doch was genau der Kollege nebenan verdient, bleibt im Sinne des Betriebsfriedens geheim. Arbeitgeber müssen nicht individuelle Gehälter offengelegen, sondern den Entgelt-Median einer Gruppe von mindestens sechs Kollegen des jeweils anderen Geschlechts, die die gleiche oder eine gleichwertige Tätigkeit ausüben, wie der oder die Antragsteller/in. Als „Entgelt“ gilt das Gehalt plus Zuschläge und Sachleistungen wie etwa Dienstwagen.

Dass Entgelttransparenz nur in Form des Median herrschen soll, ist nicht die einzige Einschränkung. Denn Auskunftspflichtig sind überhaupt nur Betriebe mit über 200 Mitarbeitern. Wo es mehr als 500 Beschäftigte sind, müssen Firmen zudem ein betriebliches Prüf- und Berichtswesen etablieren, um faire (geschlechter-)gerechte Entgeltstrukturen zu belegen.

Umstrittener Nutzen

Kritiker bezweifeln die Wirksamkeit des Ganzen. Gerade für spezialisierte Mitarbeiter dürfte es schwer werden, Auskunft einzufordern. Denn Arbeitgeber können sich darauf zurückziehen, dass keine sechs Mitarbeiter mit gleichwertiger Arbeit zu finden sind. Und wo der Median doch zustande kommt, ergibt sich für unterdurchschnittlich Bezahlte keinerlei Anspruch auf Gehaltserhöhung. Denn laut Leitfaden der Bundesregierung ist mit dem Befund allein „noch keine Entgeltdiskriminierung belegt“.

 
 
 
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