9. Oktober 2018

Kranke Nachwuchskräfte

Laut BARMER-Arztreport leiden immer mehr junge Erwachsene unter Depressionen, Angststörungen und anderen psychischen Erkrankungen. Darunter viele Studierende.

„Das muntere Studentenleben entpuppt sich für abertausende Studierende als wahrer Albtraum“, mahnt Prof. Christopf Straub, Vorstandsvorsitzender der deutschen Krankenkasse BARMER. Immer mehr junge Akademiker könnten ihren Erwartungen an sich selbst und dem Leistungsdruck an den Unis nicht mehr standhalten. Sie erlitten Panikattacken, Zukunftsängste und Depressionen, die zu Studienabbrüchen und schlimmstenfalls zu existenziellen, lebensgefährdenden Krisen führen.

Laut BARMER-Arztreport 2018 ist jeder sechste Studierende in Deutschland von mindestens einer psychischen Erkrankung betroffen. Das Risiko steigt bei ihnen mit zunehmendem Alter, während es bei Nicht-Studierenden ab dem 25. Lebensjahr zurückgeht. Insgesamt sind 470.000 junge Akademiker betroffen; 86.000 davon leiden unter einer Depression. Laut Weltgesundheitsorganisation werden sich Depressionen bis 2020 zur weltweit zweithäufigsten Volkskrankheit entwickeln.

Nicht nur Studierende sind betroffen

Das epidemische Auftreten von psychischen Störungen ist laut Report keineswegs auf Studierende beschränkt. Im Jahr 2016 war ein Viertel aller 18- bis 25-Jährigen von Depressionen, Angststörungen oder Panikattacken betroffen. Binnen zehn Jahren ist die Zahl der Befunde um 38 Prozent gestiegen. Litten 2005 rund 1,4 Millionen junge Erwachsene unter psychischen Störungen, so waren es 2016 bereits 1,9 Millionen.

Um das Problem einzudämmen, geht es laut BARMER darum, die Betroffenen frühzeitig zu erreichen. Denn je später die Behandlung beginnt, desto höher das Risiko chronischer Erkrankungen mit häufig verheerendem Ausgang. Scham, mangelnde Aufklärung und der Glaube, das Problem selbst lösen zu können, halten viele Betroffene vom Arztbesuch ab. Dem begegnet die Krankenkasse mit Angeboten für die Generation Smartphone: Apps und Online-Trainings wie StudiCare oder PRO Mind sollen die Hemmschwelle senken und jungen Erwachsenen helfen, leichte psychische Störungen von schweren Erkrankungen zu unterscheiden. Daneben gibt die EU-geförderte Plattform eMEN einen Überblick über diverse, geprüfte e-health-Angebote für psychisch Erkrankte.

 
 
 
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