26. September 2017

„Die Photonik ist ein sehr gutes Umfeld für Gründungen“


				
					Falk F. Strascheg

Falk F. Strascheg gründete in den 1970er Jahren ein Laser-Start-up und baute es zum Marktführer auf, ehe er es an Coherent verkaufte. Anschließend blieb er der Gründerszene als Investor und Stifter treu – und baute dabei unter anderem die TECHNOLOGIEHOLDING zur führenden Venture Capital Gesellschaft in Deutschland auf. Im Juni wirkte er im Rahmen der LASER World of PHOTONICS zum wiederholten Mal als Jury-Mitglied beim PHOTONICS Award mit.

Herr Strascheg, Sie haben im Juni erneut in der Jury des PHOTONICS Awards mitgewirkt. Wie war Ihr Eindruck von den teilnehmenden Start-ups?

Ich war von den präsentierenden Unternehmen sehr positiv überrascht. Es war für uns sehr schwer, die drei Gewinnerteams auszuwählen, weil die Qualität insgesamt so hoch war. Die Ideen waren sehr verschieden, haben aber jeweils interessante Nischen im Photonik-Markt adressiert.


In den 1970er Jahren haben Sie die Laser-Optronic gegründet und zu einem führenden Laser-Hersteller aufgebaut. Gab es damals Gründerwettbewerbe, Fördergeld und Risikokapital?

Ich habe 1971 gegründet und das Unternehmen dann ein Jahrzehnt lang geführt, bevor ich verkauft habe. Danach war ich noch drei Jahre Europageschäftsführer von Coherent, habe mich dann aber entschieden, eine der ersten Venture Capital Gesellschaften in Deutschland aufzubauen. Das war Mitte der 1980er Jahre. In den Anfängen der Laser-Optronic gab es noch kein Risikokapital. Auch Gründerwettbewerbe, die heute eine sehr wichtige Rolle im Coaching und Knowhowtransfer an Gründerteams übernehmen, gibt es erst seit Mitte der 90er Jahre. Ich selbst habe mich 1971 auch aus Verärgerung über einige Leute aus meinem damaligen beruflichen Umfeld selbstständig gemacht. Während sich die Laser-Optronic wunderbar entwickelte, waren die bald darauf insolvent.


Hätten Sie mit der Laser-Optronic beim Qualitätsniveau der heutigen Gründerwettbewerbe eine Chance gehabt?

Ich denke schon, dass wir noch mithalten könnten. Wir haben in den 70er Jahren auf der ersten LASER Messe in München ausgestellt und hatten uns schon im Vorfeld für eine Lasermesse vor Ort stark gemacht. Die Photonikindustrie war im Aufbruch. Junge Unternehmen wie wir brauchten eine Plattform, um uns der Fachwelt zu präsentieren. Auch vor diesem Hintergrund macht es mit jedes Mal aufs Neue viel Freude, bei der LASER World of PHOTONICS mitzuwirken und zu erleben, welche Entwicklung die Messe genommen hat.


Viele führende Photonik-Unternehmen sind kaum 20 Jahre alt. Ist die Branche ein besonders gutes Pflaster für Gründer?

Laser, Elektronik und Halbleiter sind und bleiben Märkte mit Zukunft – und zeichnen sich durch hohes Innovationstempo aus. Die Photonik ist ein sehr gutes Umfeld für Gründungen, zumal gerade im Laserbereich die Eintrittsschwelle relativ niedrig ist. Es gibt hier nicht die großen marktbeherrschenden Konzerne, neben denen kein Platz für Neueinsteiger ist. Der Markt bietet viele lukrative Nischen und ist offen für neue Ideen.


Ihre Risikokapital-Firma Extorel beteiligt sich an Technologie-Start-ups. Was können Gründer aus der Photonik tun, um Ihre Aufmerksamkeit zu wecken?

Uns erreichen derzeit viele interessante Geschäftsideen aus den Bereichen Faseroptik, Ultrakurzpulslaser, Sensorik - oder auch 3D-Druck. Als Aufsichtsratsvorsitzender und einer der ersten Investoren des Marktführers EOS schaue ich mir die Gründer im Additive Manufacturing mit großem Interesse an. Die Gründer schicken uns teils Präsentationen, teils Businesspläne oder auch nur kurze Exposés, auf die wir bei Interesse reagieren. Daneben halten wir bei Messen wie der Start-Up World im Zuge der LASER und bei Gründerwettbewerben die Augen auf. Auch was am Strascheg Center for Entrepreneurship (SCE) der Hochschule München läuft, ist natürlich von Interesse.


Ihre Stiftung gründete das SCE und finanziert dieses bis heute. Ohnehin engagieren Sie sich seit Jahrzehnten für mehr Gründerkultur im Lande. Gibt es aus Ihrer Sicht Fortschritte?

Auf jeden Fall! Gründer sind heute sehr gut über ihre Möglichkeiten informiert, kennen die Förderprogramme, Finanzierungsmöglichkeiten und wissen, wie man mit Investoren verhandelt. Auch die Qualität der Businesspläne steigt stetig. Dazu tragen Gründerlehrstühle an Hochschulen und die steigende Zahl an Businessplanwettbewerben sowie staatliche Förderprogramme wie EXIST bei. Und nicht zu vergessen: Es gibt für heutige Gründer immer mehr erfolgreiche Vorbilder, die ihr Wissen und ihre Erfahrungen weitergeben und die Geld aus Firmenverkäufen in Start-ups investieren. Da wächst eine Kultur, in der Gründungen sehr viel erfolgreicher gedeihen können. Wir sind noch nicht so weit, wie die USA. Aber vergleichen mit den 1980er und 1990er Jahren haben wir hier in Deutschland und in Europa riesige Fortschritte gemacht!

 
 
 
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