„Der Bedarf an qualifizierter Beratung steigt“


Dr. Katrin Kobe und Armin Luft

Seit Jahresbeginn ist Dr. Katrin Kobe Geschäftsführerin von LASER 2000. Die promovierte Physikerin blickt auf 25 Jahre Managementerfahrung in Automobilindustrie, Maschinenbau, Sensorik, Medizin- und Kommunikationstechnik zurück. Sie löst Armin Luft ab, der LASER 2000 in drei Jahrzehnten von Start-Up zum global erfolgreichen Mittelständler entwickelt hat. Im Interview erläutert Kobe ihre Pläne für das Unternehmen, die Rolle von technisch qualifizierten Lösungsanbietern in der Photonik und ihre Einschätzung zur Marktentwicklung im Wachstumsfeld Imaging und Sensorik.

Frau Dr. Kobe, Sie haben Armin Luft als Lenker der LASER 2000 GmbH abgelöst. Könnten Sie sich unseren Lesern kurz vorstellen?

Gern. Ich bin in Wasserburg am Inn geboren, habe in München Physik studiert und mich dabei früh auf Lasertechnik, Optik und Quantenmechanik spezialisiert. Nach meiner Diplomarbeit am Max Planck Institut für Quantenoptik bin ich an die TU Berlin gewechselt, wo ich mit den damals neuen Titan-Saphir-Femtosekundenlasern meine Promotion im Bereich Femtosekundenspektroskopie vorangetrieben habe. Anschließend war ich für fünf Jahre bei McKinsey tätig, habe dort verschiedene Technologieunternehmen kennengelernt und in unterschiedlichen Fachbereichen gearbeitet: Vertrieb, Entwicklung, Produktmanagement oder Strategieentwicklung. Dieses betriebswirtschaftliche Knowhow konnte ich seither in Führungspositionen in mittelständischen Technologieunternehmen nutzen, für die ich unter anderem Zukunftsstrategien entwickelt und Restrukturierungen umgesetzt habe.

Welche Ihrer Kompetenzen sind bei LASER 2000 gefragt?

In erster Linie geht es um die Themen Vertrieb und Strategie. Aufgrund des Innovationstempos der Photonikbranche entwickelt sich unser Markt ständig weiter. Die aktuelle Situation ist vergleichbar mit jenem Wandel, den die Elektronikindustrie vor 50 Jahren durchlebt hat: Von der Sonderlösung zu Standardtechnologie. Vergleiche ich den Stellenwert der Photonik in der Zeit meiner Promotion mit der heutigen Lage, liegen dazwischen Welten. Seinerzeit war der Umgang mit Lasern speziell geschultem Personal vorbehalten. Heute sind Laser in vielen Industriebranchen, in Life-Science, Kommunikation und vielen Alltagsgeräten als Standardtechnologie etabliert. Für uns als LASER 2000 wirft diese sehr positive Entwicklung strategische Fragen auf: Auf welche Märkte legen wir unseren Fokus? Wie gehen wir mit Konsolidierungstendenzen um? Wie können wir am Wachstum der Branche partizipieren? Ich sehe die entscheidende Herausforderung darin, richtige Produktschwerpunkte in den Märkten mit dem größten Potential zu setzen. Hier sind wir beispielsweise mit VCSEL-Oberflächenemittern für Time-of-Flight-Anwendungen oder den stark nachgefragten SWIR-Kameras auf einem guten Weg.

Welche Pläne haben Sie für und mit LASER 2000?

LASER 2000 hat sich erfolgreich als Value Added Reseller positioniert. Diesen Weg möchte ich mit unserem hoch qualifizierten Team langfristig fortsetzen. Wir wollen weiter wachsen. Dafür werden wir unser Knowhow ausbauen und es verstärkt im Consulting einsetzen, um unsere Kunden bestmöglich bei der Entwicklung passgenauer Lösungen für ihre Anwendungen zu unterstützen. Der Bedarf an qualifizierter Beratung steigt, Denn je breiter das Anwendungsspektrum der Photonik wird, desto mehr Menschen ohne Photonik-Hintergrund arbeiten damit. Wir unterstützen sie bei ihrer Produktauswahl und schulen sie in der Anwendung. Hier sehe ich unsere Kernkompetenz. Gleichzeitig müssen wir technologisch vorangehen und unser Portfolio im Sinne unserer Kunden ständig um die innovativsten Produkte im Markt ergänzen. Hier sehe ich unsere Aufgabe als Vertriebsunternehmen darin, zwischen wissenschaftlich geprägten Herstellern und Industrieanwendern zu vermitteln. Wir kennen die Märkte und Anforderungen der Anwender oft besser, als die Hersteller von Lasern, Kameras oder Sensoren. Ein gelungenes Beispiel für unsere Strategie ist der blaue NUBURU Hochleistungslaser, der bei der Bearbeitung stark reflektierender Metalle viele Vorteile gegenüber Lasern mit infraroten Wellenlängen hat. Wir haben uns früh um dem Vertrieb bemüht und diesen Laser erfolgreich in unterschiedlichsten Anwendermärkten etabliert. Auf der LASER World of PHOTONICS im Juni werden wir den NUBURU Laser übrigens zum ersten Mal mit 500 Watt Ausgangsleistung präsentieren.

Imaging und Sensorik gelten als Schlüsseltechnologien für die Industrie 4.0. Der Markt wächst, ist aber stark aufgefächert. Erwarten Sie zunehmende Marktkonsolidierung?

Angesichts der Vielfalt kleiner Anbieter im Markt, deren Angebote sich oft nur in geringem Maß unterscheiden, ist eine Konsolidierung wahrscheinlich – und auch sinnvoll. Denn mit der Industrie 4.0 stehen große Aufgaben an. Größere Unternehmen können die Industrie verlässlicher mit den benötigten Imaging-Lösungen versorgen. Die Automobilindustrie stellt beispielsweise Anforderungen an ihre Lieferanten, die kleine Firmen nicht erfüllen können. Zugleich bilden sich im Zuge der Konsolidierung größere Anbieter, die eine andere Marktmacht gegenüber den Kunden haben. Hinzu kommt, dass sich für die Umsetzung der Industrie 4.0 aktuell Entwicklungsplattformen bilden, auf denen große IT-Player aktiv mitmischen. Es braucht eine gewisse Größe, um in diesen Strukturen mitzuwirken. Nicht zuletzt geht es darum, dass nicht zu viele unterschiedliche Standards entstehen. Auch unter diesem Aspekt wäre eine Konsolidierung zu begrüßen.

Sie waren im Automobil- und Maschinenbau, in Medizin- und Kommunikationstechnik tätig. Wie schätzen Sie die Zukunftsaussichten der Photonik in diesen Branchen ein?

Das Photon ist das schnellste Teilchen, das wir zur Übertragung von Daten, zur Generierung von Messinformationen oder auch zur berührungslosen Bearbeitung unterschiedlichster Materialien einsetzen können. In der Industrie 4.0 ist die optische Sensorik eine tragende Säule. Zuerst müssen Sie messen. Erst dann kann Künstliche Intelligenz aus den Messwerten Rückschlüsse auf Prozesse ziehen – und Einfluss nehmen. Ob Industrie 4.0, Medizin, Mobilität, Forschung oder Kommunikation: Photonik ist heute der zentrale Treiber des Fortschritts.

Abschlussfrage: Welche Schwerpunkte wird LASER 2000 vom 24. bis 27. Juni auf der LASER World of PHOTONICS 2019 setzen?

Neben dem NUBURU Hochleistungslaser mit 500 Watt werden wir einen neuen Ultrakurzpuls-Laser unseres Partner SPARK LASERS zeigen. Dieser Ultrafast-Laser liefert bei einer Wellenlänge von 920 nm eine mittlere Leistung von bis zu 2 Watt mit ultrakurzen Femtosekundenpulsen (<140 fs) und einer Wiederholrate von 80 MHz. Ein dritter Schwerpunkt liegt auf VCSELs für Time-of-Flight-Messungen in autonomen Fahrzeugen. Auch über innovative SWIR Kameras mit herausragender Full-HD Auflösung können sich Besucher an unserem Stand informieren. Ein Besuch lohnt sich!

 
 
 
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