„Um im Wettbewerb zu bestehen wird Konsolidierung unausweichlich sein“


Gabriele Jansen

Wenn Unternehmen Mergers & Acquisitions (M&A) im Vision-Tech-Bereich planen, lassen sie sich häufig von der Vision Ventures GmbH & Co. KG beraten. Gabriele Jansen ist Gründerin und Geschäftsführerin des Unternehmens. Momentan engagiert sie sich als Jury-Mitglied der LASER World of PHOTONICS Awards 2019. Im Interview spricht sie über den Konsolidierungstrend der Branche, Erfolgsfaktoren für Firmenübernahmen, wichtige Wachstumsfelder für die Bildverarbeitung sowie über ihre Eindrücke von der Jury-Mitarbeit.

Frau Jansen, können Sie uns Ihr Unternehmen Vision Ventures kurz vorstellen?

Gabriele Jansen: Gerne. Vision Ventures hat sich als M&A-Boutique auf den Vision-Tech-Bereich spezialisiert, also auf Unternehmen, die in Machine Vision, Computer Vision, Embedded Vision oder auch in der Photonik und optischen Messtechnik im Umfeld der Automatisierung aktiv sind. Als M&A-Haus arbeiten wir mit Eigentümern von Vision-Unternehmen zusammen und beraten Unternehmen, die sich für die Übernahme eines Vision-Unternehmens interessieren. Für Eigentümer übernehmen wir das komplette Projektmanagement des Verkaufs. So können sie sich auch in dieser Phase weiter auf den Erfolg ihres Unternehmens konzentrieren. Mit Käufern erarbeiten wir zunächst eine Vision-spezifische Akquisitionsstrategie. Sobald wir dann geeignete Targets identifiziert haben, unterstützen wir sie aktiv beim Erwerb des Unternehmens.

Was hat Sie 2012 dazu bewogen, in diesem sehr spezifischen Marktsegment zu gründen?

Jansen: Mein Background liegt in der Vision Industrie. Ich war rund 20 Jahre sowohl im Management von Vision-Unternehmen als auch als Unternehmerin tätig. Bereits 2012 zeichnete sich ab, dass sich die Branche über kurz oder lang konsolidieren wird. Beide Seiten, also Käufer und Verkäufer, haben Bedarf an M&A-Unterstützung, den klassische Investment Banken nicht abdecken. Denn Vision Tech ist ein sehr heterogenes Feld vom Image Sensor bis zum schlüsselfertigen System, von der Fabrikautomation bis zum autonomen Fahrzeug und vom Ingenieurbüro bis zum Multinationalen Konzern. Die Kunst liegt darin, die richtigen Partner zur richtigen Zeit zueinander zu bringen. Heute wissen wir: Für unsere Mandanten sind unser Technologie- und Branchen-Knowhow sowie unser großes internationales Netzwerk an Vision Playern von großem Wert.

Was sind die Treiber für den Konsolidierungstrend im Vision-Tech-Markt?

Jansen: Die Vision-Tech-Branche ist von einer großen Zahl an kleinen und mittleren Unternehmen geprägt. Allein in Deutschland gibt es davon Hunderte. Die meisten dieser Unternehmen haben weder die Finanzkraft noch die Management-Ressourcen, die für den internationalen Erfolg erforderlich sind. Wachstum durch Zusammenschluss entweder ähnlicher Unternehmen oder durch Zukauf passender Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette ist eine ausgezeichnete Strategie. Hinzu kommt, dass sich Bildverarbeitung und Sensorik als Schlüsseltechnologie der Automatisierung etabliert haben, sei es in Industrie 4.0 oder für Mobile Devices. Damit ist der Markt für große Player sehr attraktiv. Um im Wettbewerb zu bestehen wird Konsolidierung unausweichlich sein.

Sie beraten Käufer und Verkäufer. Was sind erfahrungsgemäß die wichtigsten Faktoren dafür, das M&As für alle Beteiligten zum Erfolg führen?

Jansen: Der wichtigste Faktor für den Erfolg einer Unternehmenstransaktion ist natürlich, dass die Partner zueinander passen. Das bezieht sich auf die Technologien, die einander ergänzen sollten, auf die Produkte, die ein Portfolio komplettieren oder die Marktzugänge, die Skaleneffekte ermöglichen. Und es bezieht sich ebenso auf die kulturelle Kompatibilität der Teams und Unternehmen. Manchmal ist der erste Schritt zu einem Unternehmenskauf eine erfolgreiche strategische Allianz, in der sich die Partner genauer kennenlernen können. Viele Vision-Tech-Unternehmen sind gründergeführt, meist von Gründern mit technischem Background. Für Käufer ist es wichtig zu verstehen, dass es solchen Verkäufern um die Zukunft „ihres“ Unternehmens und die Absicherung ihres Teams geht. Das sind für sie neben dem Kaufpreis die wichtigsten Entscheidungskriterien. Umgekehrt ist es für den Verkäufer wichtig zu verstehen, dass Käufer ihre Bewertung des Unternehmens darauf stützen, welchen Beitrag es zur zukünftigen Profitabilität ihrer Organisation leistet. Diesen Beitrag müssen Verkäufer aufzeigen.

Bildverarbeitung ist seit Jahren auf Wachstumskurs. Wo sehen Sie die größten Marktchancen und Zukunftsfelder der Branche?

Jansen: Bildverarbeitung ist für eine Vielzahl von Branchen eine Schlüsseltechnologie. In klassischen Einsatzfeldern wird die Bildverarbeitung auch weiterhin mit jährlichen Raten um 10 Prozent wachsen. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht abzusehen. Darüber hinaus gibt es technische Entwicklungen, die noch deutlich mehr Wachstumspotential bieten. Denken Sie etwa an Embedded Vision Module im Zusammenhang mit Industrie 4.0/IIoT. Geringere Größe, geringerer Stromverbrauch und geringere Kosten der Komponenten ermöglichen die Integration in nahezu jede Maschine und in fast jeden Fertigungsschritt. Wo in heutigen Fertigungsstraßen eine ein- bis zweistellige Anzahl von Vision-Systemen integriert ist, könnten es mittelfristig hunderte solcher Systeme werden. Dabei sprechen wir von allen Industriezweigen – vom Automobil bis zur Tiefkühl-Pizza. Ein weiteres dynamisches Wachstumsfeld ist der Einsatz von Learning Technologien. In vielen Applikationen müssen die Analyse und die Interpretation der Bilddaten nicht mehr durch eigens dafür entwickelte Algorithmen erfolgen. Stattdessen genügt der Abgleich an Gut-/Schlecht-Beispielen. Das erweitert die Einsatzmöglichkeiten und senkt zugleich die technische Hemmschwelle der Anwender. Ein weiteres großes Zukunftsfeld der Branche sind autonome Maschinen. Ob Roboter, Drohnen, Kraftfahrzeuge oder Staubsauger – sie brauchen Vision-Systeme für die autonome Navigation, die Identifizierung von Objekten, für die Interaktion mit Menschen und last but not least für die Inspektion der spezifischen Arbeitsergebnisse des Geräts.

Sie engagieren sich in der Jury des Innovation Awards und des Start-up Awards der LASER World of PHOTONICS. Welche Eindrücke haben Sie dabei bisher gewonnen?

Jansen: Ich war sehr beeindruckt von der Qualität der Einreichungen und der Innovationskraft der vorgestellten Produkte und Entwicklungen. Ich freue mich sehr darüber, dass die LASER World of PHOTONICS diese Awards auslobt und Unternehmen damit die Möglichkeit bietet, ihre Innovationen einem großen Publikum vorzustellen.

 
 
 
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