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Gute Aussichten im Machine-Vision-Markt

Feldroboter sind auf Machine Vision angewiesen
© © Claas
Feldroboter sind auf Machine Vision angewiesen

Nach pandemiebedingten Umsatzeinbußen ist die Bildverarbeitungsbranche zurück auf ihrem dynamischen Wachstumskurs. Einzig der Chipmangel trübt die Stimmung.

Der Automatisierungstrend ist weltweit ungebrochen. Immer häufiger wird die Produktqualität per 100-Prozent-Kontrolle im laufenden Prozess sichergestellt. Die benötigten Informationen liefern hochleistungsfähige Kamerasysteme, die weit schneller, präziser und ausdauernder als das menschliche Auge nach dem Rechten schauen. Da sie heute auch dreidimensionale Informationen sammeln und hyperspektrale Kontrollen von Produkten und Lebensmitteln in verschiedenen Wellenlängen ermöglichen, machen sie bislang Unsichtbares sichtbar: Seien es hohle Nüsse oder Mandeln, inhomogen verteilte Wirkstoffe in Pillen oder fehlerhafte Leiterbahnen im Nanoreich der Mikrochips. Oft hilft künstliche Intelligenz bei der Auswertung.

Weil weltweit immer mehr Anwenderbranchen auf Machine Vision setzen – verzeichnete die Branche seit Jahren kräftiges Wachstum. Allein in den zehn Jahren zwischen 2008 und 2017 konnte sie ihre Umsätze laut VDMA Fachabteilung Machine Vision verdoppeln. Für Anbieter in Europa und Deutschland lagen die jährlichen Wachstumsraten im Schnitt bei 13 Prozent. Erst der Ausbruch der Pandemie stoppte die Dynamik: 2020 verzeichnete die VDMA-Statistik vier Prozent Umsatzrückgang. Doch bereits für 2021 und 2022 rechnet der Verband wieder mit Zuwächsen von jeweils sieben Prozent. Die Auftragsbücher sind so voll, dass mehr drin wäre. Doch Lieferengpässe bei Computerchips bremsen die Produktion. Zuversichtlich ist die VDMA Fachabteilung auch, weil die Nachfrage nach Machine Vision abseits der industriellen Anwendungen überdurchschnittlich (+9 %) wächst. Schon 35 Prozent der Umsätze entfallen auf Medizintechnik, Sicherheit, Landwirtschaft, Verkehr und Einzelhandel. Daneben bleiben Einsätze in der Elektronik- (+ 20 %) und Halbleiterindustrie (+ 10 %) Wachstumstreiber.

Wachstumstrend auch in den USA

Gerade in China (+ 10 %) und den USA (+ 5 %) liefen die Geschäfte für Europas Machine Vision Industrie bestens. Auch der US-Verband Association for Advancing Automation (A3) meldet trotz der anhaltenden Pandemie eine sehr gute Geschäftslage. Im Windschatten der um zwei Drittel gestiegenen Nachfrage nach Robotik-Lösungen sei der nordamerikanische Maschine Vision Markt im ersten Halbjahr 2021 um 18 Prozent auf 1,5 Milliarden US-Dollar gewachsen. Nach Einschätzung des US-Verbandes hat die Pandemie der Automation einen Nachfrageschub verschafft. Weil so viele Arbeitskräfte krankheits- oder quarantänebedingt ausfielen, setze die Industrie vermehrt auf Automation in Verbindung mit Machine Vision, um ihre Prozessketten von Produktion bis Logistik am Laufen zu halten. Zudem würden immer mehr Unternehmen ausgelagerte Produktionsschritte aus dem Ausland zurück in die Staaten holen, um sich von Lieferkettenproblemen unabhängiger zu machen. Durch automatisierte, engmaschig qualitätsüberwachte Prozesse sei es heute möglich, zu vergleichbaren Kosten im Inland zu produzieren. Auch bei US-Anwendern sind aktuelle Technologietrends wie 3D-, embedded und hyperspectral Imaging immer gefragter. Die wachsenden Bandbreiten in der Bildübertragung, immer höher auflösende Kameras und die Anwendung von Deep Learning in der Bildauswertung tun laut A3 ihr Übriges, um Machine Vision zum festen Bestandteil moderner Produktionswelten zu machen.

Positiver Ausblick für die kommenden Jahre

Gestützt durch solche Befunde der Verbände und Anbieterbefragungen kommen auch die Marktforscher von Allied Market Research oder der französischen YOLE Développment zu überaus positiven Prognosen. So rechnet Allied Market Research bis 2027 mit jährlichen Wachstumsraten von durchschnittlich 11 Prozent, was bis dahin auf ein Marktvolumen von weltweit fast 80 Milliarden US-Dollar hinausliefe. Zum Vergleich: Für 2019 gibt Allied Market Research ein Volumen von 30 Milliarden US-Dollar an. YOLE betrachtet vor allem den Markt für Industriekameras, die mittlerweile zu über 90 Prozent auf der CMOS-Technologie basieren. Ihr Anteil werde durch die Trends zu dreidimensionalem und hyperspektralem Imaging weiter zunehmen. Insgesamt erwarten die französischen Analysten jährliche Umsatzzuwächse von 7,4 Prozent, wodurch der globale Kamera-Markt zwischen 2020 und 2026 um 1,9 Milliarden auf dann 5,5 Milliarden US-Dollar zulege. Laut YOLE wird sich das Wachstum gleichmäßig auf neun Anwenderbranchen verteilen, darunter neben der Industrie auch die Landwirtschaft und Medizin sowie Verkehr, Logistik und Handel. Starkes Wachstum erwarten die Franzosen bei Kameras für Autonome Fahrzeuge. Dank Zuwächsen von 43 Prozent jährlich sei hier bis 2026 ein Umsatz von 211 Millionen US-Dollar möglich. Es wäre eine weitere Bestätigung des Trends zur immer breiteren Anwendung von Machine-Vision Lösungen.