China gewinnt Marktanteile
Der Technology Business Day des AKL‘26 - International Laser Technology Congress in Aachen richtete den Blick auf die Photonik-Märkte Europa, USA und China. Lesen Sie hier die wichtigsten Trends.
Ein zerbeulter Oldtimer, zerschellt an einer Riesenbatterie. Der offensichtliche Totalschaden steht für die förderpolitische Kehrtwende der neuen US-Administration, deren Folgen für die Laserindustrie Dr. Henrikki Pantsar, Managing Director and Vice President of Sales Laser Technology TRUMPF Inc., in seinem Vortrag zur „Aktuellen Lage und den Aussichten für den US-Lasermarkt“ eindrücklich darlegte.
Die Transformation hin zur Elektromobilität galt vor dem Regierungswechsel als wichtigster Treiber für den industriellen Lasereinsatz. Doch die Rücknahme der CO2-Emissionsziele, das ausgehebelte 7,5-Milliarden-Dollar-Programm zum Ladeinfrastrukturausbau zugunsten einer Re-Fokussierung auf fossile Kraftstoffe, die Rücknahme von Steuervorteilen beim Kauf von Elektrofahrzeugen und viele weitere Maßnahmen haben die Transformationsdynamik zum Erliegen gebracht. Investitionen der US-Automobilindustrie sind eingebrochen. Hersteller und Zulieferer schreiben Milliarden-Investitionen in den abgewürgten Zukunftsmarkt ab. Die Zölle tragen das Ihre zur Verunsicherung bei. Eine Rückkehr zu mehr Investitionsbereitschaft ist erst nach 2027 zu erwarten.
Erstaunliche Resilienz im US-Markt für Lasertechnik
Dass die Photonik in den USA trotz alledem vergleichsweise stabil dasteht, ist laut Pantsar auf den massiven Ausbau von Rechenzentren zurückzuführen. Der Wettlauf um Anteile am KI-Markt lässt sie wie Pilze aus dem US-Boden schießen. Über 40 Milliarden US-Dollar sind allein 2025 in neue Rechenzentren geflossen, wobei die Investitionen fast komplett auf die sieben großen Tech-Konzerne zurückgehen. Weltweit werden sich die Investitionen in neue Rechenzentren bis 2023 auf 7,3 Billionen US-Dollar summieren. Für die Photonik wird dieser Boom zum wichtigen Markttreiber. Ob in der Produktion von Halbleitern, EUV-strukturierten KI-Chips mit Strukturgrößen von nur noch zwei Nanometern, ob optische Datenübermittlung inklusive immer kleinerer, leistungsfähigerer Steckverbindungen, photonische Chips oder ob in der Fertigung der stationären Batterien zur Pufferung des enormen Energiebedarfs oder beim Zuschnitt der in erster Linie metallischen Hardware vom Server-Gehäuse und Rack bis zum Regal- und Kühlsystemen – Laser sind das Werkzeug der Wahl.
Pantsars Vortrag gab einen Überblick über die immer vielfältigeren und anspruchsvolleren Laseranwendungen in der Herstellung von Wafern und im hochkomplexen Chip-Packaging. Laser bearbeiten hier unterschiedlichste Materialien und erlauben es Herstellern, nicht nur präzisere Strukturen zu realisieren, sondern auch vergleichsweise teures Silizium vermehrt durch günstigere Gläser zu ersetzen. In der Verbindungstechnik dienen Laser ebenfalls als Treiber für schnellere, exaktere und zuverlässigere Fertigungsprozesse. Die makroskopische Metallbearbeitung – also das Schneiden, Bohren, Prägen und Schweißen jener Bleche, aus denen das Innenleben der Serverfarmen größtenteils besteht, ist ohnehin eine Domäne des Lasers. Die Vielfalt der Anwendungen und die hohen Präzisionsanforderungen bei zugleich minutiöser Qualitätskontrolle machen diesen Markt so interessant für die Photonik.
Eine Ameise in Manhattan finden
Das gilt nicht nur in den USA, wo der Rechenzentren-Boom aktuell sogar die ausbleibende Investitionsdynamik in der Automobilindustrie kompensieren kann – und der Photonik damit trotz aller politischen Unwägbarkeiten zu erstaunlicher Resilienz verhilft. Sondern es gilt auch für den deutschen und den europäischen Markt, den Dr. Stefan Ruppik, Global VP & General Manager - CO2 & Fiber Lasers Business Unit von Coherent in seinem Vortrag beleuchtete. Auch er betonte die Rolle der KI-Rechenzentren mit ihrem Bedarf an sub-nanometergenauer Prozesstechnik und Qualitätskontrolle. Die In-Prozess-Fehlerprüfung nm-strukturierter Wafer mit 300 mm Durchmesser komme mittlerweile der Aufgabe gleich, den New Yorker Stadtteil Manhattan in 20 Sekunden komplett abzuscannen und dabei eine einzelne Ameise nicht nur zu finden, sondern auch deren Art zu bestimmen. Das geht nur, weil hierfür Laser mit immer kürzeren Wellenlängen im UV-Bereich um 266 nm eingesetzt werden, die die Nanostrukturen auf den Wafern in rasantem Tempo abtasten. Um Wafer mit 2 nm Strukturgröße mit so hohen Geschwindigkeiten zu prüfen, werden bald noch kürzere Wellenlängen erforderlich sein.
Als weitere Umsatztreiber nannte Ruppik die ebenfalls schnell zunehmende Herstellung von OLED-Bildschirmen, den steigenden Bedarf an Kühltechnik für Rechenzentren sowie auch die beiden Zukunftsmärkte Fusion und Quantentechnologie, in denen der Lasertechnik und photonischen Lösungen eine zentrale Rolle zukomme. Auch wenn im europäischen Markt aktuell durchaus Gegenwind spürbar sei, stimme die langfristige Perspektive. Denn für die Lösung immer komplexerer technologischer Herausforderungen sei der Laser mittlerweile in vielen Branchen gesetzt. Durch weiter steigende Leistungen, kürzere Pulsdauern, flexiblere Wellenlängen und immer günstigere Anschaffungskosten werde die Lasertechnik ihre Rolle als Fortschrittstreiber nicht nur behalten, sondern weiter ausbauen. Der Coherent-Experte sieht die Photonik weiterhin auf einer anhaltenden Wachstumskurve.
China baut führende Rolle aus
Allerdings warf ein Blick in den chinesischen Markt von Dr. Bo Gu die Frage auf, wo genau sich diese Wachstumskurve in Zukunft abspielen wird. Der Lasermarkt wächst dort weiterhin mit durchschnittlichen jährlichen Raten um 7 Prozent. Die weiter steigende Qualität entlang der gesamten Fertigungskette treibt auch das Wachstum bei Faserlasern an. Vor allem im heimischen Markt übernehmen Hersteller aus China mittlerweile das Ruder. Bei Faserlasern im Leistungsbereich von 1 – 6 kW liegt ihr Marktanteil bereits bei über 98 Prozent. Über alle Leistungsbereiche hinweg sind es über 87 Prozent. Entsprechend gehen die Importe stark zurück. Bei Ultrakurzpulslasern und bei Anlagen zum Laserschneiden legen die heimischen Anbieter ebenfalls schnell zu. Ihre Umsätze wachsen in vielen Fällen zweistellig – und auch ihre Exportaktivitäten werden immer erfolgreicher.
Bo beobachtet in der Laserindustrie Chinas fünf Megatrends: Die rasante Substitution von Importen. Die kollektive Internationalisierung der Anbieter und damit ihre stark zunehmende Exportorientierung. Verstärktes Engagement in komplexen Anwendungsfeldern mit höheren Margen. Eine verstärkte Ausdehnung der bislang vor allem im zivilen Bereich eingesetzten Lasertechnik auf militärische Anwendungen – die auch die anderen Vortragenden für Europa und die USA attestierten. Als fünften Megatrend nannte Gu den hervorragenden Zugang zu Kapital, wodurch die Branche keine Probleme hat, ihr anhaltendes Wachstum zu finanzieren. Und mit plötzlichen förderpolitischen Kehrtwenden müssen sie auch nicht rechnen. Vielmehr nutzt China die Lage, um seine Führungsrolle im Zukunftsmarkt Elektromobilität konsequent auszubauen. Die Laser für die Produktion der Batterien und Elektroantriebe beziehen deren Hersteller mittlerweile bei Anbietern im Inland.